Die traditionelle Erdmiete: Gemüse den ganzen Winter ohne Strom lagern

Die Erdmiete ist eine der einfachsten und ältesten Methoden zur frostgeschützten Lagerung von Wurzelgemüse. Gemüse wird in einem isolierten Hügel aus Erde, Stroh und Boden gelagert. Das System nutzt die thermische Masse des Erdreichs. Es braucht keinen Kompressor, keinen Kellerbau, keine Betonwände und keine elektrische Luftfeuchteregelung.

Wurzelgemüse bleibt nach der Ernte biologisch aktiv. Möhren, Rote Bete, Steckrüben, Pastinaken, Sellerie, Kartoffeln und Kohl atmen weiter. Sie verbrauchen langsam eingelagerte Kohlenhydrate, geben Feuchtigkeit ab und produzieren Kohlendioxid. Bei zu warmer Lagerung steigt die Atmung, das Gemüse schrumpft, treibt aus oder fault. Bei Frost platzen Zellstrukturen, und das Gemüse wird nach dem Auftauen weich. Bei zu trockener Luft verliert es Wasser und wird gummiartig.

Eine Erdmiete löst dieses Problem mit drei einfachen Materialien:

  • Erde als thermische Masse und Frostschutz.
  • Stroh als Dämmung und kontrollierte Luftschicht.
  • Ein erhöhter, drainierter Unterbau gegen Staunässe und Fäulnis.

Die Grabenlagerung nutzt dasselbe Prinzip, verlegt den Lagerraum aber teilweise oder vollständig unter die Erde. Sie ist besonders praktisch, wenn das Gemüse im Winter regelmäßig in kleinen Mengen entnommen werden soll.

Dieser Leitfaden zeigt, wie eine günstige, nagersichere und frostsichere Lagerung für Wintergemüse gebaut wird, ohne einen massiven Wurzelkeller aus Beton zu errichten.

Lagerregel: Eine Erdmiete rettet kein beschädigtes Gemüse. Sie erhält gesundes Gemüse, indem sie Atmung verlangsamt, Austrocknung verhindert und vor Frost schützt.


1. Die Physik der Erdlagerung

1.1 Das ideale Mikroklima für Wurzelgemüse

Die meisten Wurzelgemüsearten lagern am besten kühl und feucht.

ParameterIdealer Bereich für Wurzelgemüse
Temperatur0–4°C
Relative Luftfeuchtigkeit90–95%
Lichtvollständige Dunkelheit
Luftbewegunglangsam, passiv
Frostkeiner
Staunässekeine

Diese Bedingungen halten Gemüse in einer Art Ruhezustand, ohne es austrocknen zu lassen. Kälte senkt die biologische Aktivität. Hohe Luftfeuchte verhindert Wasserverlust. Dunkelheit verhindert das Ergrünen von Kartoffeln und reduziert Austrieb. Eine langsame Belüftung führt überschüssige Feuchtigkeit und Kohlendioxid ab.

1.2 Warum Gemüse in Erde länger hält

Nach der Ernte atmet Gemüse weiter. Es wandelt gespeicherte Zucker und Stärke in Energie um. Dabei entstehen Wärme, Feuchtigkeit und Kohlendioxid.

Zu warme Lagerung führt zu:

  • schnellem Austrieb,
  • Gewichtsverlust,
  • Abbau von Zucker und Stärke,
  • Pilzwachstum,
  • Weichfäule,
  • innerem Verderb.

Kühle, feuchte Lagerung bewirkt:

  • langsamere Atmung,
  • weniger Austrieb,
  • geringere Schrumpfung,
  • bessere Textur,
  • längere Lagerdauer.

Das Ziel ist nicht, die Biologie vollständig zu stoppen. Das Ziel ist, sie zu verlangsamen, ohne das Gemüse gefrieren zu lassen.

1.3 Geeignete Kulturen für Mietenlagerung

Erdmieten und Grabenlagerung eignen sich besonders für Gemüsearten, die kühle und feuchte Lagerbedingungen vertragen.

Gut geeignet:

  • Möhren,
  • Rote Bete,
  • Pastinaken,
  • Steckrüben,
  • Speiserüben,
  • Knollensellerie,
  • Winterrettich,
  • Kartoffeln,
  • Weißkohl und Rotkohl,
  • Kohlrabi,
  • Lauch in geeigneten Klimazonen.

Nicht geeignet für kalte, feuchte Erdmieten:

  • Zwiebeln,
  • Knoblauch,
  • Kürbisse,
  • Winterkürbis,
  • Süßkartoffeln.

Diese Kulturen brauchen trockenere oder wärmere Lagerung. Zwiebeln und Knoblauch benötigen kühle, trockene und luftige Bedingungen. Kürbisse müssen warm ausreifen und anschließend trocken lagern. Süßkartoffeln reagieren empfindlich auf Kälte.

Kompatibilitätswarnung: Nicht jedes Lagergemüse gehört in dieselbe Miete. Eine feuchte Erdmiete hält Möhren knackig, kann aber Zwiebeln, Knoblauch, Kürbisse und Süßkartoffeln ruinieren.


2. Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Erdmiete

2.1 Standortwahl

Der Standort wird vor der Ernte festgelegt. Ein guter Standort ist wichtiger als eine perfekte Hügeloptik.

Geeignete Standorte:

  • leicht erhöhtes Gelände,
  • gut drainierter Boden,
  • keine Pfützenbildung nach Regen,
  • Halbschatten oder Nordlage in milden Klimazonen,
  • gute Erreichbarkeit im Winter,
  • kurze Wege zum Haus,
  • Abstand zu Nagernestern,
  • keine Viehtrittbereiche,
  • kein Dachflächenabfluss.

Vermeiden:

  • Lehmsenken,
  • verdichtete Fahrspuren,
  • Überschwemmungsflächen,
  • Bereiche unter Dachrinnen,
  • Schneeschmelzzonen,
  • stark durchwurzelte Baumstandorte,
  • warme Südwände in milden Wintern.

2.2 Standardmaße einer Erdmiete

Eine Erdmiete sollte so schmal sein, dass sie abschnittsweise geöffnet werden kann, ohne den gesamten Vorrat freizulegen.

Praktische Maße:

MietentypBreiteHöheLängeVerwendung
Kleine Haushaltsmiete60–80 cm45–60 cm1–2 mRegelmäßige Entnahme
Standard-Erdmiete90–120 cm60–90 cm2–4 mHauptlager für Wintergemüse
Große Feldmiete120–150 cm90–120 cmvariabelKartoffeln oder große Mengen

Für den Selbstversorgerhaushalt sind mehrere kleine Mieten sicherer als eine sehr große Miete. Wenn eine Miete von Fäulnis, Mäusen oder Wasser betroffen ist, bleibt der restliche Vorrat geschützt.

2.3 Nagersicherer Unterbau

Mäuse und Ratten sind eine der größten Schwachstellen bei der Mietenlagerung. Einfacher Maschendraht ist nicht ausreichend. Besser ist stabiles verzinktes Volierengitter oder punktgeschweißtes Drahtgewebe.

Empfohlene Spezifikation:

  • Maschenweite: 6–13 mm,
  • Drahtstärke: mindestens 19 Gauge oder vergleichbar stabil,
  • Material: verzinkter Stahl,
  • Überlappung an Stößen: mindestens 15 cm,
  • Ränder nach oben biegen,
  • mit Erdankern, U-Haken oder Steinen fixieren.

Das Drahtgewebe sollte den Gemüsebereich auf allen Seiten um mindestens 30 cm überragen. Bei starkem Nagerdruck wird das Gitter seitlich hochgezogen und mit der äußeren Erdschicht überlappt.

2.4 Schichtaufbau der Erdmiete

Eine Erdmiete ist ein mehrschichtiger Aufbau aus Drainage, Gemüse, Dämmung und Schutzschicht.

Schritt 1: Grundfläche markieren

Die Grundfläche wird etwas größer markiert als der spätere Gemüsehaufen.

Beispiel für eine kleine Möhren-Rote-Bete-Miete:

  • Gemüsefußabdruck: 80 cm × 150 cm,
  • vorbereitete Gesamtfläche: 140 cm × 210 cm,
  • zusätzlicher Rand: 30 cm auf allen Seiten.

Schritt 2: Drainagegraben anlegen

Rund um die Miete wird ein flacher Graben gezogen.

Empfohlene Maße:

  • Tiefe: 15–25 cm,
  • Breite: 20–30 cm,
  • Gefälle: zu tieferem Gelände,
  • Zweck: Regenwasser und Schneeschmelze ableiten.

Die ausgehobene Erde bleibt neben der Miete liegen. Sie wird später als Schutzschicht verwendet.

Schritt 3: Drainagebasis bauen

Innerhalb der markierten Fläche wird eine leicht erhöhte Basis aufgebaut.

Schichtaufbau:

  • grober Sand oder Feinkies: 8–12 cm,
  • optional Reisigschicht in feuchten Lagen: 5–8 cm,
  • trockene Strohschicht auf der Basis: 5–10 cm.

In feuchten Regionen ist Kies oder grober Sand sinnvoll. In sehr trockenen Regionen reicht oft eine sandige Basis.

Schritt 4: Nagerschutz einbauen

Das verzinkte Drahtgewebe wird auf die Drainagebasis gelegt. Die Ränder werden nach oben gebogen.

Bei starkem Nagerdruck:

  • Gitter unter dem Gemüse,
  • Gitter seitlich hochziehen,
  • Gitter über dem Gemüse vor der Erddeckung überlappen.

Kunststoffgitter ist ungeeignet. Nager können es durchbeißen.

Schritt 5: Gemüse aufschichten

Das Gemüse wird zu einem langen pyramidenförmigen Rücken aufgesetzt.

Empfohlene Form:

  • breit an der Basis,
  • schräge Seiten,
  • schmaler First,
  • keine senkrechten Seiten,
  • keine tiefen Hohlräume.

Regeln für das Gemüse:

  • nur ausgereifte Ware einlagern,
  • nicht waschen,
  • nur lockere Erde abbürsten,
  • beschädigte Stücke aussortieren,
  • Laub von Wurzelgemüse entfernen,
  • bei Roter Bete und Rüben 1–2 cm Stiel stehen lassen,
  • Kartoffeln vor der Einlagerung abhärten lassen,
  • Kohl möglichst mit Strunk oder Wurzel lagern.

Die Pyramidenform leitet Kondenswasser besser ab und erleichtert eine gleichmäßige Dämmung.

Schritt 6: Strohschicht aufbringen

Der Gemüsehaufen wird vollständig mit trockenem Stroh bedeckt.

Mindeststärke der Strohschicht:

  • milder Winter: 15 cm,
  • normaler Winter: 20 cm,
  • kalter Winter: 25–30 cm,
  • starker Frost: 30–40 cm plus stärkere Erddeckung.

Das Stroh muss beim Einbau trocken sein. Nasses Stroh sackt zusammen, isoliert schlecht und fördert Schimmel.

Schritt 7: Erddeckung aufbringen

Die Erde aus dem Drainagegraben wird über die Strohschicht gezogen.

Empfohlene Erddeckung:

  • milde Regionen: 15–20 cm,
  • mäßiger Frost: 25–35 cm,
  • kalte Regionen: 40–60 cm,
  • starker Frost: Grabenlagerung unter Frosttiefe oder zusätzliche Dämmung.

Die Erde wird mit dem Spatenrücken leicht angedrückt. Sie darf nicht zu einem harten, luftdichten Panzer verdichtet werden.

2.5 Dämmung nach Frosttiefe

Die notwendige Erddeckung hängt von Frosttiefe, Schneedecke, Windlage und minimaler Wintertemperatur ab.

Regionale FrosttiefeStrohschichtErddeckungEmpfohlene Bauweise
0–20 cm15–20 cm15–25 cmOberirdische Erdmiete
20–40 cm20–25 cm30–40 cmErhöhte Miete mit Drainagegraben
40–60 cm25–30 cm45–60 cmTeilversenkte Miete oder Graben
60–90 cm30–40 cm60+ cmGraben unter Frosttiefe
90+ cm40 cm plus75+ cm plusEingegrabene, isolierte Kammer bevorzugt

Frostregel: Wenn der Boden tiefer friert als die Lagerkammer liegt, muss das Gemüse unterhalb der lokalen Frosttiefe sitzen oder durch ausreichend Stroh und Erde über 0°C gehalten werden.


3. Grabenlagerung für den schnellen Zugriff

3.1 Unterschied zwischen Erdmiete und Grabenlagerung

Eine Erdmiete liegt überwiegend oberirdisch. Ein Lagergraben ist eine eingegrabene Kammer. Beide Systeme nutzen Erde und Stroh, verhalten sich aber unterschiedlich.

MerkmalErdmieteGrabenlagerung
PositionOberirdischer HügelUnterirdische Kammer
Drainagebedarfhochsehr hoch
ZugriffAbschnittsweise von Seite oder EndeDeckel, Kiste oder Schacht
FrostschutzStroh und ErddeckungErdreich plus Abdeckung
Ideal fürgrößere Mengenregelmäßige Entnahme
RisikoNager, OberflächenwasserStaunässe, Einsturz

Grabenlagerung ist besonders praktisch, wenn regelmäßig kleine Mengen entnommen werden. Eine Erdmiete eignet sich besser für größere Vorräte, die abschnittsweise geöffnet werden.

3.2 Grundmaße eines Lagergrabens

Empfohlene Maße für Haushaltsbedarf:

  • Breite: 50–70 cm,
  • Tiefe: 60–100 cm,
  • Länge: 1–3 m,
  • Bodengefälle: 1–2% zum Ablauf,
  • Kiesbasis: 10–15 cm,
  • Stroh-Auskleidung: 10–15 cm,
  • obere Dämmung: 20–30 cm Stroh plus 25–50 cm Erde, abhängig von Frosttiefe.

In kalten Regionen sollte die Gemüsezone unterhalb der Frosttiefe liegen oder nach oben stark gedämmt werden.

3.3 Modularer Kistengraben

Ein modularer Lagergraben lässt sich im Winter leichter beernten als ein lose gefüllter Graben.

Materialien:

  • unbehandelte Holzkisten,
  • Lattenkisten,
  • stabile lebensmittelechte Kunststoffkisten mit Lüftungsöffnungen,
  • verzinktes Drahtgewebe,
  • Stroh,
  • abnehmbarer isolierter Deckel,
  • Erddeckung.

Bauweise:

  1. Graben ausheben.
  2. 10–15 cm Kies als Drainage einbringen.
  3. Drahtgewebe auf Boden und Seiten legen.
  4. Kisten einsetzen.
  5. Sortiertes Gemüse einfüllen.
  6. Stroh um und zwischen die Kisten stopfen.
  7. Bretter oder isolierten Deckel auflegen.
  8. Mit Stroh und Erde abdecken.
  9. Abschnitte mit Pflöcken markieren.

So wird im Winter nur eine Kiste geöffnet, nicht der gesamte Vorrat.

3.4 Eingegrabene Trommel-Lagerung

Eine defekte Toplader-Waschmaschinentrommel kann als nagersicherer Lagerbehälter wiederverwendet werden, wenn sie gründlich gereinigt und sicher angepasst wird.

Vorteile:

  • gelochte Metallstruktur,
  • gute Belüftung,
  • hoher Nagerschutz,
  • leichter Zugriff von oben.

Regeln:

  • nur saubere, chemiefreie Trommel verwenden,
  • scharfe Kanten entfernen,
  • bei Bedarf zusätzliche Drainagelöcher bohren,
  • auf 10–15 cm Kies stellen,
  • große Öffnungen mit Drahtgewebe sichern,
  • Trommel außen mit Stroh dämmen,
  • nagersicheren Deckel montieren,
  • mit Stroh und Erde abdecken.

Keine Behälter verwenden, die Kraftstoff, Öl, Lösungsmittel, Pestizide oder Industriechemikalien enthielten.


4. Das Belüftungs-Prinzip

4.1 Warum geschlossene Lager faulen

Gemüse atmet während der Lagerung weiter. Eine vollständig geschlossene Miete staut Feuchtigkeit, Wärme und Kohlendioxid. Dadurch entstehen feuchte, stehende Bedingungen, die Schimmel, bakterielle Weichfäule und anaerobe Gerüche begünstigen.

Eine Erdmiete braucht Belüftung, aber nicht zu viel. Zu starke Belüftung trocknet Gemüse aus und kann Frostluft in die Lagerzone ziehen. Zu wenig Belüftung hält Feuchtigkeit und Fäulnisgase zurück.

Das Ziel ist langsamer passiver Luftwechsel.

4.2 Strohschlot als Lüftung

Die traditionelle Methode ist ein senkrechtes Strohbündel durch den First der Miete.

Bauweise:

  • Strohbündel mit 10–15 cm Durchmesser binden,
  • senkrecht in die Mitte des Firsts stellen,
  • vom Gemüsebereich bis über die Erddeckung führen,
  • oben mit Brett, Ziegel oder umgedrehtem Topf gegen Regen schützen,
  • Luftbewegung ermöglichen, Wassereintritt verhindern.

Bei langen Mieten wird alle 1,5–2 m ein Lüftungspunkt gesetzt.

4.3 Perforiertes PVC-Rohr als Lüftung

Eine moderne Alternative ist ein gelochtes PVC-Rohr.

Spezifikation:

  • Rohrdurchmesser: 50–75 mm,
  • Lochdurchmesser: 6–8 mm,
  • Lochabstand: 5–10 cm,
  • senkrechte Führung durch den First,
  • Insektengitter am oberen Ende,
  • Regenschutz über dem Rohr,
  • herausnehmbarer Stopfen für starken Frost.

4.4 Belüftung im Winter steuern

Milde Wintertage:

  • Lüftung teilweise offen lassen,
  • auf Kondens- oder Fäulnisgeruch prüfen,
  • nasse Abdeckungen entfernen.

Normale Kälte:

  • Lüftung geschützt offen halten,
  • Regeneintritt verhindern,
  • Drainagegraben freihalten.

Starker Frost:

  • Lüftung locker mit Stroh verschließen oder Stopfen setzen,
  • zusätzlich Strohballen oder Jutesack auflegen,
  • nach Frostperiode wieder öffnen,
  • Gemüsebereich nicht während starkem Frost öffnen.

Belüftungsregel: Eine Erdmiete muss langsam atmen. Vollständig verschlossen fault sie. Zu stark belüftet trocknet oder friert sie.


5. Technische Spezifikationen

GemüseartIdeale VorbehandlungMaximale LagerdauerKompatibilität
MöhrenLaub auf 1 cm kürzen, nicht waschen, leichte Erde belassen4–6 MonateMit Roter Bete, Pastinaken, Rüben
Rote BeteLaub auf 1–2 cm kürzen, Krone nicht verletzen, nicht waschen3–5 MonateMit Möhren und Rüben
PastinakenLaub entfernen, Erde an Wurzeln belassen, sehr kälteverträglich4–6 MonateMit Möhren und Steckrüben
SpeiserübenGrün entfernen, holzige oder beschädigte Rüben aussortieren2–4 MonateMit Steckrüben und Roter Bete
SteckrübenLaub kürzen, kurz kühl abtrocknen lassen, ungewaschen lagern3–5 MonateMit Rüben und Roter Bete
KnollensellerieBlätter kürzen, Krone intakt lassen, feucht lagern3–4 MonateBesser eigener Abschnitt
Kartoffeln10–14 Tage abtrocknen/abhärten, dunkel lagern3–6 MonateGetrennt von Äpfeln; in eigener Sektion möglich
KohlLose Blätter entfernen, Strunk/Wurzel möglichst belassen2–4 MonateBesser getrennt wegen Geruch
LauchIn feuchten Sand oder Erde einschlagen, aufrecht lagern1–3 MonateEigener Graben sinnvoll
WinterrettichLaub entfernen, ungewaschen lagern, Druckstellen vermeiden2–4 MonateMit Rüben, wenn Geruch akzeptabel ist
ZwiebelnVollständig trocknen und luftig lagernungeeignetNicht in feuchte Erdmiete
KnoblauchVollständig trocknen und trocken lagernungeeignetNicht in feuchte Erdmiete
WinterkürbisWarm nachreifen lassen, trocken bei 10–13°C lagernungeeignetNicht in kalte feuchte Miete
SüßkartoffelnWarm ausheilen lassen, über 10°C lagernungeeignetNicht in kalte Miete

6. Ernte und Qualitätskontrolle

6.1 Die „ein faules Stück“-Regel

Ein einziges beschädigtes Gemüse kann einen ganzen Lagerabschnitt verderben. Erdmieten sind bewusst feucht. Deshalb verbreitet sich Fäulnis schnell, wenn kranke oder beschädigte Stücke eingelagert werden.

Einlagern nur bei:

  • vollständig ausgereifter Ware,
  • fester Textur,
  • unverletzter Schale,
  • ohne Druckstellen,
  • ohne Fraßspuren,
  • ohne Grabegabelverletzungen,
  • ohne Pilzflecken,
  • ohne Sonnenbrand,
  • ohne Frostschaden vor der Einlagerung.

Aussortieren bei:

  • weichen Stellen,
  • Rissen,
  • Schnittwunden,
  • Insektengängen,
  • grüner Kartoffelschale,
  • säuerlichem Geruch,
  • Nassfäule,
  • starkem Schorf oder Krankheit.

Aussortierte Gemüse werden sofort verbraucht, geeignet verfüttert, fermentiert, getrocknet oder bei Krankheit kompostiert beziehungsweise entsorgt.

6.2 Eine Erdmiete im Winter öffnen

Eine Miete wird vorsichtig und nur abschnittsweise geöffnet.

Vorgehen:

  1. Von der windabgewandten Seite öffnen.
  2. Nur Vorrat für 1–2 Wochen entnehmen.
  3. Erde und Stroh beim Öffnen getrennt halten.
  4. Sichtbare Gemüse auf Fäulnis prüfen.
  5. Verdächtige Stücke entfernen.
  6. Schnittfläche der Pyramide neu formen.
  7. Stroh wieder in voller Stärke aufbringen.
  8. Erddeckung wieder schließen.
  9. Windspalten abdichten.
  10. Lüftung nach dem Verschließen wieder öffnen.

Die ganze Miete wird nur geöffnet, wenn sie vollständig geleert werden soll.

6.3 Lagerung in Abschnitten

Für eine einfache Winterentnahme wird die Miete in Zonen geteilt.

Beispiel:

  • Abschnitt 1: frühe Wintermöhren und Rote Bete.
  • Abschnitt 2: Kartoffeln für die Wintermitte.
  • Abschnitt 3: Pastinaken und Steckrüben für Spätwinter.
  • Abschnitt 4: Notreserve.

Über der Erddeckung werden Pflöcke oder Schilder gesetzt. Darauf stehen Kultur, Einlagerungsdatum und geplanter Öffnungsmonat.

6.4 Kontrolle ohne unnötiges Öffnen

Die Miete muss nicht jede Woche aufgegraben werden. Äußere Zeichen reichen oft aus.

Gute Zeichen:

  • kein säuerlicher Geruch,
  • keine Staunässe,
  • keine Nagerlöcher,
  • keine eingesackte Erddeckung,
  • Lüftung riecht erdig, nicht faulig,
  • Schutzschicht bleibt geschlossen.

Warnzeichen:

  • süßlich gäriger Geruch,
  • kleine Fliegen,
  • Mäusegänge,
  • Wasser im Drainagegraben,
  • eingesunkener Hügel,
  • warmer Dampf an milden Tagen,
  • sichtbarer Schimmel an der Lüftung.

Bei Verdacht auf Fäulnis wird ein kleiner Kontrollbereich geöffnet. Befallene Ware wird entfernt, anschließend wird die Miete wieder sauber verschlossen.


Das finale Urteil

Erdmieten und Grabenlagerung sind keine primitiven Notlösungen, sondern klimaangepasste Lagertechnik. Sie verbinden thermische Masse, Feuchteregulierung, Pflanzenbiologie und handwerkliche Feldpraxis.

Praktische Vorteile:

  • keine Stromkosten,
  • keine Abhängigkeit von Kühltechnik,
  • kein teurer Kellerbau,
  • beliebig skalierbare Lagerkapazität,
  • hohe Klimarobustheit,
  • geringe Materialkosten,
  • Reparatur mit lokalen Materialien,
  • weniger Winterverluste,
  • bessere Nutzung großer Ernten,
  • echte Lebensmittelunabhängigkeit.

Ein Hof, der Gemüse anbauen, aber nicht lagern kann, bleibt abhängig. Erst die Kombination aus Erdmiete, Grabenlagerung, Trocknung, Fermentation, Einsalzen und Kellerführung macht saisonale Fülle zu ganzjähriger Versorgungssicherheit.

Traditionelle Vorratshaltung ist keine Nostalgie. Sie ist Infrastruktur. Wenn die Winterernte bis zum Frühjahr ruhig unter Stroh und Erde liegen kann, wird der Haushalt unabhängiger von Energie, Lieferketten und unsicheren Zeiten.

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